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FAQ's
Fragen und Antworten

PolCycleTime  (Kühl- und Zykluszeitberechnung beim Spritzgießen)

Wie erfolgt prinzipiell die Auswahl bzw. Zuordnung der kühlzeitbestimmenden Formteilgeometrien?

Für Spritzgussteile ist eine große Spannweite geometrischer Gestaltungsvielfalt und -komplexität charakteristisch. Zur Beschreibung der vielen Geometrieelemente (Formteilpartien) eines Fomteils bietet das Programm eine reiche Auswahl. Für den Anwender besteht daher die Aufgabe, sein konkretes Formteil in solche Teilpartien mit hinreichender Genauigkeit aufzuteilen. Die Partie mit der längsten Kühlzeit ist dann für den Zyklus maßgebend. Diese Vorgehensweise ist mit dem Programm auch für Anwender mit geringerer Erfahrung schnell und sicher nachvollziehbar. Darüber hinaus sollten bei erstmaliger Nutzung des Programms die programminternen Hilfen genutzt werden.


Bei der grafischen Darstellung der Kühlzeit in Abhängigkeit von der Massetemperatur wurde in Einzelfällen ein Minimum der Kühlzeit bei bestimmten Massetemperaturen gefunden. Ist dieser Sachverhalt physikalisch korrekt?

Die abzuführende Körperwärme (Enthalpie) zuzüglich Schmelzwärme ist umso größer, je höher die Massetemperatur ist. Es ist daher eine kontinuierliche Kühlzeitverlängerung mit steigender Massetemperatur bei sonst gleichbleibenden Bedingungen zu erwarten.

Programmintern wird aber der kühlzeitverlängernde Scherwärmeanteil berücksichtigt. Dieser Wärmeanteil entsteht hauptsächlich durch Scherströmung in den Formteilrandzonen bei der volumetrischen Werkzeugfüllung und wird bei höherer Massetemperatur unter ansonsten konstanten Bedingungen schneller abgeführt.

Diese gegensätzlichen Einflüsse können im Einzelfall zu einem meist sehr flachen Kühlzeitminimum im praxisüblichen Massetemperaturbereich führen. Die Massetemperatur des Kühlzeitminimums ist umso größer, je größer die Werkzeugkonturtemperatur, der Einspritzdruck und das Oberflächen/Volumen-Verhältnis der kühlzeitbestimmenden Formteilkontur sind. 


Wie zuverlässig können die thermodynamischen Formmassedaten bei beliebiger Kombination von Polymeren und Zusatzstoffen programmintern berechnet werden?

Der Schmelzzustand wird als maßgebend für die Kühlzeitberechnung angesehen. Für die Basisdaten spez. Volumen, spez. Wärmekapazität und Schmelzwärme existieren physikalisch exakt definierte Additionsregeln. Zur Berechnung der Wärmeleitzahl werden in der Fachliteratur viele Modelle unterschiedlicher Komplexität und Kompliziertheit angeboten. Das programmintern ausgewählte Berechnungsmodell (nicht das Maxwellmodell) wurde mit Messergebnissen erfolgreich korreliert. Eine merkliche Fehlermarige kann insbesondere bei kristallinen Zusatzstoffen mit stark richtungsabhängigen Stoffeigenschaften auftreten. Insgesamt werden bezogen auf den Kühlzeitrechenwert maximal Abweichungen von ± 10 % erwartet.


Nach welchen Gesichtspunkten wird programmintern die Entformungstemperatur festgelegt?

Die Entformungstemperatur gehört zu den Parametern mit großem Einfluss auf die Kühlzeit. Je nach Erfordernis beschreibt sie ein mittleres Temperaturniveau des Spritzlings oder seine Maximaltemperatur in Querschnittsmitte. Diese Erfordernisse sind für Anguss und Formteil unterschiedlich geregelt. Die formmassespezifischen Bezugstemperaturen (Glastemperatur, Schmelztemperatur, Fließtemperatur) werden in 3 unterschiedlichen Formmassegruppen erfasst. Für das Formteil werden die Entformungstemperaturen in 5-facher Abstufung differenziert. Die Zuordnung erfolgt bei Berücksichtigung der Temperierbedingungen (Zusatzkühlung), der geforderten Fertigungsgenauigkeit, der Querschnittsdicke, der Formstoffsteifigkeit bzw. – härte, der Entformungsbedingungen und des Auftretens von Einfallstellen. Für die Angusskühlung ist nur eine 3-stufige Zuordnung nach den Entformungsbedigungen und für teilkristalline Polymere zusätzlich nach der Querschnittsdicke vorgesehen. Aus den Erläuterungen ist erkennbar, dass die Entformungstemperatur kein einfach angebbarer Kennwert ist. Mit der Abfrage eines Festwertes wären viele Anwender überfordert.


Ist für die Einstufung der relativen Fließfähigkeit von Thermoplastschmelzen eine polymertypunabhängige Quantifizierung möglich?

Thermoplastschmelzen sind strukturviskose und viskoelastische Medien, deren Viskosität (oder Fluidität) neben der Temperatur von der Größe der mechanischen Beanspruchung der Schmelze durch Scherung und Dehnung abhängt. Eine umfassende Beschreibung des Fließverhaltens ist nur durch aufwendige Fließkurven bzw. Viskositätsfunktionen möglich. Zur vereinfachten Charakterisierung des Fließverhaltens werden rheologische Einpunktdaten der Schmelze erstellt, die derzeitig meist als Volumenfließrate (MVR) oder Massefließrate (MFR) nach ISO 1133 gemessen werden. Für jeden Polymertyp sind unterschiedliche Prüfbedingungen vorgeschrieben, so dass ein genereller Vergleich zwischen unterschiedlichen Polymeren nicht möglich ist. Die Formmassehersteller geben aber innerhalb des jeweiligen Typsortiments eine Bewertung des Fließverhaltens an (z. B. leichtfließend, normalfließend, schwerfließend), so dass der Programmanwender ausreichend informiert ist.


Gibt es zur Programmhilfe zusätzliche Hinweise für die Einschätzung des Fließwiderstandes der Werkzeugkonturen?

Die Werkzeugkonturen werden von der Düse (Anguss) bzw. vom Anschnitt (Formteil) durch eine laminare Quellströmung gefüllt, sofern die Schmelze nicht vor Beendigung der Werkzeugfüllung erstarrt. Bei vorgegebener Fließfähigkeit (Viskosität) der Schmelze wird durch Erhöhung der Massetemperatur und / oder des Spritzdruckes die effektivste Fließwegverlängerung bzw. Verkürzung der Füllzeit erreicht. Schmelzeumlenkungen beeinflussen nur unwesentlich den Fließwiderstand. Durch Erhöhung der Werkzeugkonturtemperatur wird wegen der Wärmeisolierung der erstarrenden Randschichten der Fließwiderstand nur unwesentlich reduziert, aber die Kühlzeit deutlich erhöht. Eine Vergrößerung der Fließquerschnitte (z. B. durch Wanddickenerhöhung) verringert überproportional den Fließwiderstand. Bezüglich des Wanddickeneinflusses auf den Fließwiderstand flächiger Formkonturen soll folgende Wanddickenzuordnung als Orientierung dienen:

  • unter 1 mm = sehr dünnwandig
  • 1 bis 2 mm = dünnwandig
  • über 2 bis 4 mm = normalwandig
  • über 4 mm = dickwandig

Bei Wanddicken unter 0,5 mm ist selbst bei kleinen Fließweglängen eine zuverlässige Werkzeugfüllung nicht immer garantiert.


Sind für die Auswahl von Masse- und Werkzeugkonturtemperatur weitergehende Präzisierungen möglich?

  • Die programminternen Orientierungsbereiche repräsentieren die meist üblichen Temperaturbereiche der Praxis.
  • Die Massetemperaturbereiche werden nach thermischer Stabilität der Schmelze und fließtechnischen Gegebenheiten der Werkzeugfüllung sowie nach der davon abhängigen Formteilqualität (Oberflächenglanz, Bindenahtqualität) bestimmt. Bei Festlegung der Massetemperaturen innerhalb der vorgegebenen Bereiche wird die Kühlzeit relativ wenig beeinflusst.
  • Die Werkzeugkonturtemperatur beeinflusst hingegen entscheidend die Kühlzeit. Geringe Kühlzeit (hohe Produktivität) erfordert niedrige Konturtemperaturen, besondere Formteilqualität entsprechend hohe Temperaturen. Die Wahl der „richtigen“ Konturtemperatur ist immer ein Kompromiss, der bezüglich der Formteilqualität u. U. erst durch Produktionsversuche entschieden werden kann. Die praktische Erfahrung des Anwenders ist dabei sehr wichtig. Anderenfalls müssen durch Eingabevariationen die möglichen Kühlzeitabweichungen getestet werden, wobei der jeweilige Zweck der Zykluszeitberechnung (z. B. Kostenvorkalkulation, Maschinenbelegung, Maschineneinstellung) entsprechende Schlussfolgerungen ermöglicht.
  • Eine weitergehende Präzisierung der Temperaturen ist durch Kommunikation mit Erfahrungsträgern (z. B. Formteilhersteller, Formmassehersteller) möglich.
  • Befürworter der Impulskühlung geben u. a. häufig den Vorteil einer starken Kühlzeitreduzierung an. Tatsächlich ist diese Behauptung weder theoretisch noch praktisch bewiesen, sofern man nachprüfbare Untersuchungen auswertet.


Kann für die Glanzbewertung glatter Formteilsichtflächen eine quantifizierbare Stufenskala angegeben werden?

Aus Design- und Funktionsforderungen an die Formteiloberflächenqualität (Glätte, Glanz) sowie an deren Herstellbarkeit (Entformung, Nachbehandlung, Belagbildung) lassen sich entsprechende Qualitäten der Werkzeugkonturflächen ableiten. Deren Abstufung erfolgt nachstehend mit dem arithmetischen Mittenrauwert Ra nach DIN EN ISO 4287:

  • Technisch rauh (ohne Feinbearbeitung): Ra ≥ 3 µm
  • Glatt (mit Feinbearbeitung. z. B. Schleifen): Ra = 0,8 bis 1,6 µm
  • Glänzend (Grobpolitur): Ra = 0,2 bis 0,4 µm
  • Hochglänzend (Feinpolitur ): Ra = 0,05 bis 0,10 µm
  • Spiegelnd (optische Feinstpolitur): Ra = 0,012 bis 0,025 µm

Bei der Entscheidung zur Oberflächenqualität ist zu berücksichtigen, dass mit zunehmender Poliergüte die Kosten für Fertigung und Wartung der Werkzeuge deutlich ansteigen, während die Abbildungsgenauigkeit auf der Formteiloberfläche abnimmt. Kunststofftyp und Verarbeitungsbedingungen können ebenfalls die Abbildungsreproduzierbarkeit erheblich beeinflussen. Insbesondere die optische Sonderqualität (spiegelnde Oberfläche) sollte daher nur für transparente Kunststoffe bei speziellen Anforderungen (z. B. Linsen, Skalen, CD) vorgesehen werden.


Kann die Gefahr der Spannungsrissbildung bei thermoplastischen Kunststoffen zwecks besserer Einschätzung näher charakterisiert werden?

Bei allen thermoplastischen Kunststoffen treten nach gleichzeitiger Einwirkung spezieller Medien und entsprechend großer Zugspannungen bzw. Dehnungen Spannungsrisse (Mikro- bis Makrorisse) auf. Dieser zeitabhängige physikalische Vorgang erfordert Medien mit besonderer Wechselwirkung zum jeweiligen Kunststoff (Benetzbarkeit, Diffusion, Löslichkeit) und einen kritischen Zugspannungs- bzw. Dehnungszustand.

Amorphe Thermoplaste größerer Steifigkeit bzw. Härte sind besonders gefährdet, da deren kritische Rissbildungsdehnung je nach Medieneinfluss erheblich unter 1 % liegen kann. Polystyrol ist hierfür ein Extrembeispiel, da bei Dehnungen unter 0,3 % bereits bei Lufteinwirkung Mikrorissbildung („Silberschimmer“) möglich ist. Beim Spritzgießprozess dieser Kunststoffe sind möglichst geringe Eigenspannungen (z. B. durch höhere Werkzeugkonturtemperaturen) anzustreben, da bereits ohne zusätzliche Zugbeanspruchungen nach der Entformung Rissbildung möglich ist.

Welche Medien besonders spannungsrissgefährlich für den jeweiligen Kunststoff sind, muss von Erfahrungsträgern (Formmassehersteller, Formteilentwickler, Fachliteratur) erkundet werden.


Welche Bedingungen sind beim Spritzgießen optisch aktiver Formteile (z. B. Linsen) besonders zu beachten?

Formteile für optische Anwendungen erfordern sehr geringe Eigenspannungen (Dichtekonstanz) und langzeitige Nachdruckwirkungen zur Vermeidung von Einfallstellen bei relativ dickwandigen Teilen. Beide Bedingungen werden u. a. durch hohe Werkzeugkonturtemperaturen erfüllt. Für diesen Zweck wird im Programm eine besondere Orientierung für hohe Konturtemperaturen vorgegeben, die nur wenig unterhalb der Glastemperaturen transparenter Thermoplaste liegt.

Als Geometrieelement für Linsen u. ä. ist die „Platte“ oder „Schale“ zu wählen, wobei aus den Verläufen der Krümmungsradien mittlere Wanddicken (s) abzuschätzen sind.

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